SO SOLL DER KANTONALE FONDS DIE BERUFSBILDUNG STÄRKEN
Die Luzerner Regierung will einen Berufsbildungsfonds einführen, in den alle kantonalen Arbeitgeber 0,6 Promille ihrer AHV-pflichtigen Jahreslohnsumme einzahlen müssen. So sollen rund 7,5 Millionen zusammenkommen und umverteilt werden.
Veröffentlicht am
08. September 2025
Schlagwörter
Berufsbildung
Als neunter Kanton will Luzern einen Berufsbildungsfonds (BBF) ins Leben rufen. Über die Marschrichtung der Projektgruppe unter der Leitung von Bildungsdirektor Armin Hartmann und Daniel Preckel, dem Leiter der kantonalen Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, wurden die dem KMU- und Gewerbeverband Kanton Luzern (KGL) angeschlossenen Berufs- und Branchenverbände schon im letzten Herbst orientiert. Gleichzeitig konnten die Vertreter ihr Feedback abgeben (siehe KMU-Ausgabe vom Oktober 2024).
Die Ausgestaltung des BBF verfolgte von Anfang an das Ziel, möglichst einfach daherzukommen. Vor wenigen Wochen sind die Eckpfeiler präsentiert worden.
Alle müssen Abgabe leisten
Alle Unternehmen, die im Kanton Luzern sozialversicherungspflichtig sind, müssen eine Abgabe leisten. Und zwar in der Höhe von 0,6 Promille der Jahreslohnsumme. Das betrifft auch den Kanton und die Gemeinden als Arbeitgeber. Nicht davon befreit sind auch jene Firmen, die bereits einem kantonalen Branchenfonds oder nationalen Fonds angeschlossen sind.
Der Luzerner Beitragssatz fällt im Vergleich mit den Kantonen Zürich, dem Wallis und dem Jura deutlich moderater aus. Zudem wird mit tiefen Promillesatz den Doppelzahlern Rechnung getragen.
82 Prozent dieser Summe, also etwas mehr als sechs Millionen Franken, sollen direkt an jene Ausbildungsbetriebe zurückfliessen, die proportional viele Lernende ausbilden.
Geht man von jährlich 12'500 abgeschlossenen Lehrverträgen im Kanton Luzern aus, beläuft sich die Entschädigung aus dem BBF auf rund 550 Franken pro Jugendlichen.
Für ein grosses Unternehmen mit einer Jahreslohnsumme von 30 Millionen und zehn Auszubildenden geht die Rechnung hingegen nicht auf. Es muss 18'000 Franken einzahlen und erhält «nur» 5'000 zurück.
Laut Auskunft von Armin Hartmann wären aktuell auch der Kanton und die Gemeinden auf Seiten derer, die mehr einzahlen müssten als rausbekommen. Das kantonale Minus betrüge etwa 170'000 Franken, jenes der Gemeinden rund 480'000. Nettozahler profitieren indes von der Stärkung der Luzerner Fachkräfteausbildung insgesamt
15 Prozent der jährlichen Einnahmen des BBF sollen Projekten und Innovationen zugute kommen, die zum Ziel haben, die berufliche Grundbildung als Gesamtkonstrukt zu stärken. Dazu gehören zum Beispiel das Lehrstellenmarketing oder Ausbildungsverbünde. Dafür stehen jährlich fast 1,2 Millionen Franken bereit.
Die Ausbildungsbereitschaft der Lehrbetriebe ist von zentraler Bedeutung. Um diese zu erhalten und zu erhöhen, sollen Firmen einen finanziellen Beitrag erhalten.
Armin Hartmann, Luzerner Regierungsrat
BBF ist eine «schlanke Lösung»
Wohin die Mittel fliessen, entscheidet eine Kommission, die vom Regierungsrat gewählt wird und sich paritätisch aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern sowie einer Vertretung des Kantons zusammensetzt.
Rund drei Prozent der Einnahmen des BBF dienen dazu, die Verwaltungs- und Vollzugskosten abzudecken. Damit sei eine sehr schlanke Lösung realisiert worden», betonte Armin Hartmann.
Die Vernehmlassung zum BBF wird noch bis Ende September 2025 dauern. Voraussichtlich im kommenden Frühjahr wird der Kantonsrat darüber debattieren.
Weitere Informationen:
Die Vertreter der Berufs- und Branchenverbände bei der BBF-Gruppenarbeit.
Positives Echo von KGL-Verbänden
Was halten Berufs- und Branchenverbände des KGL von der aktuellen Ausarbeitung des Luzerner Berufsbildungsfonds? Wir haben beim kantonalen Detaillistenverband und bei der Zentralschweizer Sektion von Swissmechanic nachgefragt. «Die Zieldefinition bezüglich der einfachen Gestaltung und der Gleichbehandlung aller Betriebe mit oder ohne Branchenfonds wurde mit der vorliegenden Vernehmlassung erfüllt», findet Rolf Bossart, der Geschäftsführer des Detaillistenverband Kanton Luzern. Ein längst fälliger erster Schritt in die richtige Richtung entschädige die Ausbildungsbetriebe zu einem kleinen, aber wichtigen Anteil. «Genauso wichtig neben dem Beitrag ist aus meiner Sicht die Signalwirkung der wertschätzenden Haltung des Kantons für unser duales Bildungssystem.» Der Berufsbildungsfonds basiere auf einfachen, gut nachvollziehbaren Berechnungs- und Umsetzungsvorgaben. «Der Ansatz mit 0,6 Promille ist zudem ein sehr humaner Beitrag.»
Patrick Riedweg, Geschäftsführer der Sektion Zentralschweiz von Swissmechanic, bezeichnet das ausgearbeitete Konzept als «gut und gelungen. Alle machen mit, Kanton, Gemeinden und Unternehmen.» Er glaubt auch, dass der Berufsbildungsfonds Anreiz genug sei, um als Unternehmen mehr in die Ausbildung von Lernenden zu investieren. Es gebe nie einen perfekten Plan, hält er fest. An diesem Punkt bringt er sein Motto ins Spiel: «Lieber 80 Prozent umsetzen als 100 Prozent nie.»
Die Schwachstelle des Luzerner Berufsbildungsfonds sieht Patrick Riedweg in Bezug auf Grossbetriebe wie zum Beispiel Schindler oder CKW. «Sie leisten heute schon viel in der Berufsbildung und im Kampf gegen den Fachkräftemangel, zahlen aber mehr ein als dass sie profitieren können.»
Für Rolf Bossart ist es zentral, dass «eine Ausweitung des Verwaltungsaufwandes oder Gewährung von Ausnahmeregelungen zu verunmöglichen ist». Zudem müsse die Wahl der Kommissionsmitglieder transparent und nachvollziehbar erfolgen. «Welche Kriterien werden bei der Auswahl angewandt?», stellt er eine Frage in den Raum. (aci)
Rolf Bossart (links) und Patrick Riedweg.
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